Bevor ein Akustiksignal in die FFT geht, durchläuft es typischerweise zwei oder drei Filterstufen – Anti-Aliasing, Hochpass gegen Drift, Bandpass auf den interessierenden Frequenzbereich. Filter sind die unsichtbaren Helfer, ohne die keine saubere Auswertung gelingt.

Die zwei Familien: IIR und FIR

IIR-Filter (Infinite Impulse Response)

Klassische Analog-Filter, digital nachgebildet. Sehr effizient – wenige Koeffizienten reichen für steile Flanken. Nachteil: nichtlineare Phase, kann Signale verzerren.

H(z) = (Σ bk z−k) / (1 + Σ ak z−k)

FIR-Filter (Finite Impulse Response)

Filter ohne Rückkopplung – ausschließlich Vorwärtskoeffizienten. Vorteil: linearphasig (alle Frequenzen werden gleich verzögert, keine Signalverzerrung). Nachteil: braucht für gleiche Steilheit deutlich mehr Koeffizienten.

H(z) = Σ bk z−k

Vergleich

KriteriumIIRFIR
Rechenaufwand für gleiche Steilheitniedrig (10–30×)hoch
Phasenverhaltennichtlinearlinear
Stabilitätkritisch (Pole)immer stabil
Implementierungseinfachheitmittelhoch
Ideale AnwendungEchtzeit-PegelmessungModalanalyse, Phasenwichtige Auswertung

Standard-Filtertypen

Butterworth

Maximal flacher Durchlassbereich. Klassiker für saubere Pegelmessung. Ordnung typ. 4–8.

Chebyshev Typ I

Steilere Flanke als Butterworth, aber Welligkeit im Durchlassbereich. Sinnvoll, wenn extreme Trennschärfe nötig ist.

Chebyshev Typ II

Welligkeit im Sperrbereich, glatter Durchlass. Nützlich bei klaren Stoppband-Anforderungen.

Bessel

Optimale Phasenlinearität bei IIR, aber sanftere Flanken. Standard, wenn Pulsformen erhalten bleiben sollen.

Elliptic (Cauer)

Steilste mögliche Flanke, Welligkeit in beiden Bändern. Für extreme Trennschärfe.

Anwendungsfälle in der akustischen Prüfung

1. Anti-Aliasing-Tiefpass

Vor dem ADC, analog. Typisch 8. Ordnung Butterworth oder Elliptic.

2. Hochpass gegen Drift

Beschleunigungsmesser zeigen oft Niederfrequenzdrift. Ein 5–20 Hz Hochpass entfernt diese ohne den interessierenden Frequenzbereich anzutasten.

3. Bandpass auf relevanten Bereich

Wenn nur der Bereich 800–4 000 Hz für die Bremsscheiben-Resonanz interessiert, spart ein Bandpass Daten und CPU.

4. A-Bewertungsfilter

Frequenzgang, der die menschliche Hörempfindlichkeit nachbildet. Norm: IEC 61672. Standard für Pegelmessung in dB(A).

5. Oktav- und Terzbandfilter

Aufteilung des Spektrums in normgerechte Frequenzbänder. Standard in der Lärmmessung.

Praktische Hinweise

  1. Kausalität beachten: Echtzeit-Filter dürfen nur Vergangenheit nutzen. Offline-Auswertung kann „forward-backward" filtern für nullphasige Verzerrung.
  2. Numerische Stabilität: Höhere IIR-Ordnungen besser als Cascade von Biquad-Sektionen implementieren.
  3. Einschwingzeit: Bei impulsiven Signalen die Filterantwort berücksichtigen – nicht alles im Frame ist auswertbar.
  4. Gruppenlaufzeit: Bei FIR ist sie konstant (N/2), bei IIR frequenzabhängig.

SonicTC.DSP-Filterkette

Eine typische Kette in SonicTC.DSP für Werkzeugverschleiß-Monitoring:

  1. Anti-Aliasing-Tiefpass (analog, vor ADC).
  2. Hochpass IIR Butterworth 4. Ordnung, fc = 100 Hz (Drift entfernen).
  3. Bandpass IIR Butterworth 6. Ordnung, 1–8 kHz (Werkzeug-Eingriffsfrequenzen).
  4. FFT mit Hann-Fenster.
  5. A-Bewertung (FIR, falls Pegelangabe in dB(A) gewünscht).

Was Sie sich merken sollten

  1. IIR ist effizient, FIR ist sauber – die Wahl folgt der Anwendung.
  2. Butterworth ist der sichere Standard, Elliptic für extreme Steilheit.
  3. Phasenverzerrung kann Signale stark verändern – bei Modalanalyse FIR oder Bessel verwenden.
  4. Filter sparen Daten, CPU und vermeiden Aliasing – sie sind keine optionale Spielerei.

Damit schließen wir die Mathematik-Reihe vorerst ab. Wenn Sie eine konkrete Filterkette für Ihre Prüfaufgabe diskutieren wollen, sprechen Sie uns an – RTE liefert auch maßgeschneiderte Signalverarbeitungs-Engineering.