Wer zwei FFT-Spektren mit unterschiedlicher Frame-Länge oder unterschiedlichem Fenster vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen. Das Leistungsdichtespektrum (Power Spectral Density, PSD) löst dieses Problem: es normiert die spektrale Energie auf 1 Hz Bandbreite und macht damit Messungen unter unterschiedlichen Bedingungen vergleichbar.
Vom Energiespektrum zur Leistungsdichte
Die FFT liefert komplexe Werte X(k). Das einseitige Energiespektrum ist:
Wobei U die Fensterleistungskorrektur ist:
Die Einheit von Sxx ist (Signaleinheit)² / Hz, z. B. (m/s²)²/Hz bei Beschleunigung. Damit ist die PSD eine Energiedichte – integriert über ein Frequenzband ergibt sich die Energie in diesem Band.
Das Parseval-Theorem
Eine fundamentale Beziehung verbindet Zeit- und Frequenzbereich:
Energie ist eine Erhaltungsgröße – sie verteilt sich nur um, geht aber nicht verloren. Diese Eigenschaft macht die PSD zu einer ehrlichen Größe: Wer im Spektrum aufintegriert, erhält dieselbe Gesamtenergie wie im Zeitbereich.
Die Welch-Methode
Eine einzelne FFT ist eine verrauschte Schätzung. Wer mehrere FFTs über aufeinanderfolgende (oder überlappende) Frames mittelt, reduziert das Schätzrauschen erheblich – das ist die Idee von Welch (1967).
- Signal in M überlappende Frames der Länge N teilen (typ. 50 % Overlap).
- Jedes Frame fenstern und FFT bilden.
- Betragsquadrate berechnen.
- Über alle M Frames mitteln.
Das Ergebnis ist eine glattere PSD-Schätzung mit reduziertem Rauschen. Die Frequenzauflösung bleibt durch die Frame-Länge bestimmt; die Statistik wird besser.
PSD vs. Amplitudenspektrum – wann was?
| Auswertung | Wann verwenden |
|---|---|
| Amplitudenspektrum | diskrete tonale Komponenten quantifizieren (z. B. Ordnungen) |
| Energiespektrum | Energie pro Bin (selten, meist als Zwischenschritt) |
| Leistungsdichtespektrum (PSD) | breitbandige stochastische Signale (Lager, Strömung, Reibung) |
Faustregel: Tonale Anteile → Amplitudenspektrum. Rauschartige Anteile → PSD.
Anwendung: Lager-Monitoring
Ein gesundes Wälzlager produziert breitbandiges Hintergrundrauschen mit charakteristischem PSD-Verlauf. Beginnender Schaden erhöht die PSD-Energie typischerweise im Bereich der Käfig-Eigenfrequenz oder der Roller-Pass-Frequenz – aber als Anhebung über mehrere Frequenzbänder, nicht als scharfe Linie. Genau dafür ist die PSD optimal.
SonicTC.DSP nutzt die Welch-PSD als Standard-Auswertung im Condition Monitoring – mit adaptiven Schwellen pro Frequenzband.
Was Sie sich merken sollten
- PSD ist die richtige Größe für stochastische und breitbandige Signale.
- Die Welch-Methode reduziert Schätzrauschen ohne Auflösungsverlust.
- Eine PSD ist über die Frame-Länge hinweg vergleichbar – ein klassisches FFT-Spektrum nicht.