Wenn ein Bauteil-Querschnitt mit µm-Auflösung sichtbar werden soll, führt an industrieller CT kein Weg vorbei. Wenn aber 1 000 Bauteile pro Stunde geprüft werden müssen, scheitert CT an Physik und Wirtschaftlichkeit. Akustik nimmt diesen Platz ein – mit großzügigen Kompromissen bei der Auflösung, dafür Größenordnungen schneller und günstiger.

Die Verfahren im Schnellvergleich

Industrielle CT/Röntgen

Eine Röntgenröhre durchstrahlt das Bauteil aus vielen Winkeln. Aus den Projektionen wird ein 3D-Volumen rekonstruiert. Auflösung bis ~5 µm bei kleinen Bauteilen, ~50 µm bei großen Gussteilen. Aufnahmezeit: 1–30 Minuten pro Bauteil.

Akustische Resonanzanalyse

Wie bekannt: Anregung, Eigenfrequenzen, Vergleich. Aufnahmezeit: 0,2–2 s pro Bauteil. Keine Lokalisation, dafür ganzheitliche Bewertung.

Vergleichsmatrix

KriteriumCT/RöntgenAkustische Resonanz
Prüfgeschwindigkeit1–30 min0,2–2 s
Detailauflösung★★★★★ (≥ 5 µm)★★☆☆☆ (integral)
3D-Lokalisierungmillimetergenaunicht möglich
100-%-Tauglichkeitnur bei niedrigen StückzahlenStandardfall
Materialvielfaltfast alle (außer sehr dicke Stahlmasse)fast alle
Investition500 k€ – 3 M€30–250 k€
StrahlenschutzVollabschirmung Pflichtnicht erforderlich
Kosten pro Prüfung5–80 €0,02–0,15 €
Inline-Tauglichkeitnur SpezialfälleStandardfall

Wann lohnt sich CT?

  • Erstmusterprüfung neuer Bauteile (Konstruktion, Validierung).
  • Reklamations- und Schadensanalyse einzelner Teile.
  • Sicherheitsrelevante Bauteile mit niedrigen Stückzahlen (Luft- und Raumfahrt).
  • Wenn die Position eines Fehlers für Reparatur oder Forensik wichtig ist.

Wann lohnt sich Akustik?

  • Inline-100-%-Prüfung in der Großserie.
  • Wenn die Frage „funktioniert das Teil?" wichtiger ist als „wo genau ist der Fehler?".
  • Wenn Strahlenschutz, Genehmigungen oder Personalkosten zu hoch sind.
  • Wenn die Prüfung in Echtzeit Prozessparameter beeinflussen soll.

Komplementäre Strategie

RTE empfiehlt häufig: 100 % akustische Inline-Prüfung als Filter, gezielte CT-Analyse nur an Teilen, die im Inline-Test als „auffällig" markiert wurden. So entstehen die niedrigsten Gesamtprüfkosten – mit der Detailtiefe der CT, der Geschwindigkeit der Akustik.

Beispielrechnung Bremsscheiben

1,2 Millionen Bremsscheiben pro Jahr, Anforderung: 100-%-Rissprüfung.

  • Reine CT-Prüfung: bei 90 s pro Bauteil und 5 € Kosten/Prüfung = 6 M€/Jahr und 30 CT-Anlagen.
  • Reine akustische Prüfung: 0,8 s/Bauteil, 0,06 €/Prüfung = 72 k€/Jahr, 1 Inline-Anlage.
  • Hybrid: 100 % Akustik + 1 % CT-Verifikation = 132 k€/Jahr, hohe Sicherheit + dokumentierte Stichprobe.

Fazit

CT und akustische Prüfung sind keine Konkurrenten – sie spielen in unterschiedlichen Ligen. Akustik gewinnt bei Geschwindigkeit, Inline-Eignung und Wirtschaftlichkeit. CT gewinnt bei Auflösung und Lokalisierung. Wer beide kombiniert, bekommt das Beste aus beiden Welten.