„Sollen wir die akustische Prüfung direkt in die Linie integrieren oder einen separaten Prüfplatz aufbauen?" Diese Frage stellt sich in fast jedem Projekt. Die richtige Antwort hängt von fünf Faktoren ab – wir gehen sie systematisch durch.
Definition: Inline vs. Offline
Inline: Prüfstation ist Teil der Fertigungslinie. Jedes Bauteil durchläuft die Prüfung in der Taktzeit. Bauteilverfolgung über Linien-MES.
Offline: separater Prüfplatz, manuelle oder roboterbasierte Beladung, häufig 100 % oder Stichprobe. Datenanbindung möglich, aber lose gekoppelt.
Die fünf Entscheidungskriterien
1. Taktzeit
Eine Inline-Lösung muss schneller sein als die Linientaktzeit (typ. 4–60 s pro Bauteil). Bei sehr schnellen Linien (< 4 s) wird inline schwierig – dann hilft nur Parallelisierung. Offline-Stationen können 30–120 s pro Teil benötigen.
2. Investition
| Komponente | Inline | Offline |
|---|---|---|
| Mechanische Integration | 30–150 k€ | 10–40 k€ |
| Akustik-Hardware | 15–60 k€ | 15–60 k€ |
| Software / SonicTC-Lizenz | 20–60 k€ | 20–60 k€ |
| MES-Anbindung | 10–40 k€ | 5–15 k€ |
| Inbetriebnahme | 15–35 k€ | 5–15 k€ |
| Summe (typisch) | 90–345 k€ | 55–190 k€ |
3. Personalbedarf
Inline läuft personalfrei – Bediener nur für Wartung und Master-Update. Offline benötigt 0,2–1,0 Personenstellen pro Schicht für Be- und Entladen, je nach Automatisierungsgrad.
4. Rückverfolgbarkeit
Inline-Stationen liefern lückenlose Bauteilverfolgung in Echtzeit – jedes Teil mit ID und Messprotokoll. Offline kann das auch, aber mit Bruch in der Datenkette (Batch-Logs, Excel-Listen).
5. Flexibilität
Offline-Stationen sind variantenflexibel – ein Prüfplatz kann 5–20 unterschiedliche Bauteiltypen prüfen. Inline ist auf den Bauteiltyp der Linie fixiert (oder erfordert Werkzeugwechsel).
Beispielrechnung: 5-Jahres-Vergleich
Annahme: 1,5 Millionen Bauteile pro Jahr, Standard-Taktzeit 8 s.
| Position | Inline | Offline |
|---|---|---|
| Investition CAPEX | 200 k€ | 120 k€ |
| Personal (5 Jahre) | 80 k€ | 620 k€ |
| Wartung & Service | 75 k€ | 40 k€ |
| Bauteilbruch durch Doppelhandling | 0 € | ~25 k€ |
| Reklamationsersparnis durch 100 % | −180 k€ | −180 k€ |
| Gesamtkosten 5 Jahre | 175 k€ | 625 k€ |
Bei diesen Stückzahlen amortisiert sich die Inline-Lösung in etwa 18 Monaten. Unterhalb von 200 000 Bauteilen pro Jahr kippt die Rechnung – dann gewinnt Offline.
Hybrid-Strategie
RTE empfiehlt häufig: Inline für die Hauptbaureihe, Offline für Sondervarianten. So bleibt die Linie wirtschaftlich produktiv, ohne dass Sonderteile die Inline-Konfiguration überlasten.
Was Sie sich merken sollten
- Inline lohnt sich ab etwa 200 000 Bauteilen pro Jahr und einer Taktzeit ≥ 4 s.
- Offline gewinnt bei kleinen Stückzahlen, hoher Variantenvielfalt oder fehlendem Linienraum.
- Die Frage „Wie wichtig ist Rückverfolgbarkeit?" verschiebt die Bilanz oft zugunsten Inline.