Die Wirbelstromprüfung gehört zu den ältesten elektromagnetischen ZfP-Verfahren – ihr großer Vorteil ist die Empfindlichkeit für oberflächennahe Risse in leitfähigen Materialien. Die akustische Prüfung deckt das komplementäre Anwendungsfeld ab. Wer beide kennt, kombiniert sie zur lückenlosen Inline-Strategie.
Funktionsweise im Schnellvergleich
Wirbelstromprüfung (ECT)
Eine Spule erzeugt ein magnetisches Wechselfeld. In einem leitfähigen Bauteil entstehen Wirbelströme. Risse, Korrosion oder Materialinhomogenitäten verändern die Wirbelströme – die Spule misst die Rückwirkung über ihre veränderte Impedanz. Eindringtiefe gemäß Skin-Effekt: bei Stahl typ. 0,1–2 mm.
Akustische Resonanzanalyse
Wie in den vorigen Artikeln beschrieben: Eigenfrequenzbild des gesamten Bauteils.
Vergleichsmatrix
| Kriterium | Wirbelstrom | Akustische Resonanz |
|---|---|---|
| Detektionsbereich | oberflächennah, ≤ 2 mm Tiefe | gesamtes Volumen |
| Rissempfindlichkeit (Oberfläche) | ★★★★★ (≥ 0,1 mm) | ★★★☆☆ (ab ~3 mm) |
| Volumenfehler-Detektion | nicht möglich | ★★★★★ |
| Materialvielfalt | nur leitfähig | fast alle Festkörper |
| Sortierung Wärmebehandlung | ★★★★☆ | ★★★★★ |
| Materialverwechslung | begrenzt | sehr gut |
| Geometrieabhängigkeit | hoch (Liftoff) | mittel |
| Inline-Geschwindigkeit | 0,1–1 s pro Position | 0,2–2 s pro Bauteil |
Wann lohnt sich was?
Wirbelstrom ist erste Wahl bei oberflächennahen Rissen an drehsymmetrischen Stahl- und NE-Metall-Bauteilen (Wellen, Bolzen, Bohrungen). Auch zur Detektion von Wärmebehandlungsfehlern an Oberflächen geeignet.
Akustische Resonanzanalyse ist erste Wahl bei Bauteilen mit unbekannter Fehlerlage, Volumenfehlern, komplexer Geometrie oder nichtleitenden Materialien (Keramik, Sinter).
Hybride Lösung: das Beste aus beiden Welten
Bei einem Kunden im Bereich Wälzlagerringe nutzen wir aktuell beide Verfahren parallel: Wirbelstrom für die Schleifrillenoberfläche (oberflächennahe Mikrorisse), akustische Resonanzanalyse für die Wärmebehandlungsqualität (integrale Härteverteilung). Die Bauteile durchlaufen beide Stationen in < 3 s, die Kombination erkennt sowohl 0,15 mm Oberflächenrisse als auch falsch gehärtete Chargen.
Fazit
ECT und akustische Resonanz sind keine Konkurrenten, sondern Komplemente. Wer 100 % Fehlerabdeckung braucht, denkt beide Verfahren mit. RTE liefert die akustische Seite – und arbeitet mit ECT-Spezialisten an integrierten Anlagen.